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30.04.2026 - „Fahrdienste sind genial zum Reden“: Beratung für Jugendliche


„Wo soll’s hingehen? Was willst du?“: Manchmal geraten die Wünsche und Vorstellungen von Jugendlichen für ihre eigene Zukunft in den Hintergrund. Um dem entgegenzuwirken, bietet die Freisinger Jugendhilfe St. Klara eine extra Erziehungsberatung für Jugendliche ab 16 Jahren an. Sozialpädagogin Anna Siegl von den Flexiblen Hilfen über Herausforderungen und Erfolgserlebnisse.

Anna Siegl möchte Jugendlichen helfen, ein Ziel für sich zu finden.
 
Welche Themen tauchen am meisten in Ihrer Arbeit mit Jugendlichen auf?
In erster Linie geht es darum, Perspektiven zu erarbeiten. Welcher Beruf käme in Frage? Wollen die Jugendlichen ausziehen, können sie das – und falls ja, was sind da die Optionen? Das heißt, es kann auch durchaus sein, dass die Jugendlichen in eine stationäre oder teil-stationäre Maßnahme weitergeleitet werden. Außerdem geht es um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

All das wird losgelöst von den Eltern besprochen. Die Jugendlichen schätzen es, dass sie jemanden haben, der nur für sie da ist. Erst im zweiten Schritt spielt die Elternarbeit punktuell eine Rolle – vor allem dann, wenn die Jugendlichen noch zu Hause wohnen. Aber der Fokus liegt klar auf den Jugendlichen.

Wie ist die Bereitschaft, mitzumachen?
Das ist oft sehr herausfordernd. Es gehört zu meinem Alltag, dass die Jugendlichen absagen, weil sie einfach nicht wollen oder weil sie es zum Beispiel nicht schaffen, mit dem Bus hierherzukommen. Das muss man auch verstehen. Die Jugendlichen haben oft schon viele Vorerfahrungen. Die Lehrer fragen, die Jugendsozialarbeit, die Eltern, das Jugendamt – und dann kommt noch einmal jemand, dem sie alles erzählen müssen.

Wichtig ist daher, erst einmal ihr Vertrauen zu gewinnen, damit sie Lust haben, sich zu treffen. Mit einer Jugendlichen gehe ich immer zusammen einen Döner essen. Andere hole ich von der Schule ab und bringe sie irgendwohin. Fahrdienste sind genial zum Reden und können Wunder bewirken. All das klappt, weil unsere Arbeit so flexibel ist.
Was motiviert Sie, dranzubleiben?
Die Erfahrung, dass man es meistens irgendwann schafft, die Jugendlichen zu erreichen, und sie dann gerne kommen. Gerade bei Jugendlichen kann man schnell etwas bewirken, das motiviert. Ansonsten muss man einfach gelassen und kreativ bleiben. Wenn ich die Termine den Bedürfnissen der Jugendlichen anpasse, kann ich viele Absagen vermeiden.

Wann ist die Erziehungsberatung erfolgreich gewesen?
Wenn es gelungen ist, herauszufinden, was die Jugendlichen wollen. Das ist oft eine große Herausforderung. Die Eltern kommunizieren deutlich, was sie sich für ihr Kind wünschen. Die Jugendlichen selbst wissen es oft noch gar nicht so genau. Oder es deckt sich nicht mit den Vorstellungen der Eltern.

Erfolgreich ist die Beratung für mich also, wenn die Jugendlichen wieder in Kommunikation mit ihren Eltern treten, wenn sie ein Ziel für sich gefunden haben, auf das sie hinarbeiten können. Wenn sie eine Ausbildung gefunden haben, eine für sie geeignete Wohnsituation und vor allem wieder von sich aus motiviert sind, all das umzusetzen.

Interview und Foto: Nicole Stroth/KJF